Ist mein Pferd zu dick?
- 8. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Feb.
Viele Pferdebesitzer stellen fest: Mein Pferd ist zu dick, obwohl gefühlt "gar nicht so viel" gefütter wird. Ein dicker Hals, weiche Fettpolster an Schulter oder Kruppe - und trotzdem wirkt das Pferd nicht klassisch adipös. Genau hier beginnt die Früherkennung: Nicht das Gewicht allein ist entscheidend, sondern wo und wie Fett am Körper verteilt ist.
Woran erkenne ich, ob mein Pferd zu dick ist?
Die wenigsten Ställe haben eine Waage. Und selbst wenn: Das Gesamtgewicht sagt wenig darüber aus, ob ein Stoffwechselproblem vorliegt.
Der Body Condition Score (BCS) wird in diesem Zusammenhang häufig erwähnt, ist in der Praxis jedoch oft unpraktikabel. Pferden stehen nicht still, Tages- und Fresszeiten verfälschen den Eindruck und zu viele Parameter machen die Einschätzung kompliziert.
Praxisnäher ist eine optische und tastende Überprüfung an drei Stellen:
Halsansatz (Mähnenkamm) - fühlt sich hart, wulstig, schlecht verschiebbar an?
Schulter hinter dem Ellenbogen - liegen dort weiche, teigige Polster?
Kruppe/Schweifansatz - sind dort runde Fettauflagerungen tastbar?
Wenn diese drei Regionen gleichzeitig auffällig sind, steckt meist mehr dahinter als "etwas Übergewicht".
Typische Fettpolster beim Pferd: Hals, Schulter, Kruppe

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) beschreibt eine Insulin-Dysregulation. Der Körper reagiert übermäßig stark auf Zucker, Insulinspiegel steigen und Fett wird bevorzugt in genau diesen REgionen eingelagert.
Bluttests oder Glukosetests können das bestätigen. Für den Halter, der sich zunächst nur fragt, ob sein Pferd gefärdet ist, sind sie jedoch nicht der erste Schritt.
Denn lange bevor Blutwerte auffällig werden, zeigt der Körper bereits:
Regionale Fettpolster
Fehlende Gewichtsabnahme trotz Reduktion
Feste Konsistenz am Halskamm
Verändertes Bewegungsverhalten
Diese Sicht- und Testbefunde sind für die Früherkennung deutlich hilfreicher.
Welche Symptome zeigt ein EMS-Pferd im Alltag?
Typische Symptome sind oft unscheinbar:
Steifer Gang nach Ruhephasen
Vorsichtiges Drehen auf engem Raum
Schnelle Ermüdung
Unerklärliche Gewichtszunahme
Erhöhte Empfindlichkeit der Hufe
Das Risiko: Hufrehe entsteht meist erst später - die Vorzeichen sind lange sichtbar.
Warum nimmt mein Pferd trotz Diät nicht ab?
"Diät" bedeutet in der Praxis sehr unterschiedliches. Häufige, gut gemeinte Maßnahmen sind weniger Heu in größeren Abständen, lange Fresspausen, einmal täglich Bewegung, Weide "nur kurz", doch genau das kann den Stoffwechsel weiter verschlechtern.
Hilfreicher ist ein Füttermanagement, das den Insulinspiegel ruhig hält:
Mehrere kleine Heurationen (z. B. 4-5x täglich)
Heunetze zur Fresszeitverlängerung
Beimischung von Stroh, insbesondere wenn die Heustruktuer sehr kurz und fein ist
Keine langen Nüchternphasen
Bewegung muss dafür nicht in der Halle oder im Roundpen stattfinden. Auch konsequente, zügige Schrittstrecken im Gelände, leichtes Bergauflaufen und regelmäßige Alltagsbewegung sind stoffwechselwirksam - wenn sie täglich stattfinden.
Fazit
Ein "zu dickes Pferd" ist oft kein reines Futterproblem. Die Verteilung der Fettpolster zeigt, ob sich EMS beim Pferd entwickeln kann.
Wer Hals, Schulter und Kruppe regelmäßig prüft, erkennt Stoffwechselprobleme lange bevor sie klinisch werden.
Eine tierärztliche Abklärung ist angeraten, wenn:
Der Halskamm hart und deutlich ausgeprägt ist
Das Pferd trotz Management nicht abnimmt
Lahmheitsanzeichen oder Hufempfindlichkeit auftreten
Bereit seine Hufrehe bekannt ist.
Im Rahmen meines Tier- und Hausservice achte ich auf genau solche Veränderungen im Alltag der Tier.
Auch bei anderen Tieren lassen sich Gesundheitsprobleme früh über Beobachtung erkennen - etwa beim Thema Hühner entwurmen - wann ist es wirklich nötig?