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Vom Fellknäuel zur Kämpferin – Tonis Weg mit einer unsichtbaren Krankheit

  • 22. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn Vorfreude auf Realität trifft

Wer sich einen Welpen holt, weiß um schlaflose Nächte.

Um kleine Pfützen auf dem Boden.

Um spitze Milchzähnchen in Möbeln.

Was man nicht erwartet:

Eine chronische Erkrankung.

Drahthaarwelpe mit EPI

Toni war acht Wochen alt, als sie zu uns kam. In diesem Alter sind Welpen oft noch nicht vollständig entwöhnt. Das Verdauungssystem ist unreif und sensibel. Eine Futterumstellung kann durchaus zu weichem Kot oder gelegentlichem Durchfall führen.

Physiologisch ist das erklärbar:

  • Die Enzymproduktion ist noch nicht stabil

  • Die Darmflora befindet sich im Aufbau

  • Der Ortswechsel bedeutet Stress

  • Neues Futter fordert den Stoffwechsel heraus

Als Toni anfangs hellen, breiigen Kot hatte, habe ich es genau darauf geschoben.

"Das pendelt sich ein", dachte ich.

Doch es pendelte sich nicht ein.

Sie fraß – und fraß – und fraß

Sie hatte unstillbaren Hunger und wurde trotzdem immer dünner.

Toni musste mehrfach täglich raus.

Der Kot hell, voluminös, kaum geformt.

Ein Welpe darf schlank sein.

Aber Toni war bald nur noch Haut und Knochen.

Der Blick hunrig, obwohl der Napf nie lange leer blieb.

Sehr schnell kam der Moment, in dem man es nicht mehr als "Anpassung" erklären konnte.

Nicht mehr relativieren.

Nicht mehr hoffen, dass es "schon noch wird".

Die Diagnose: Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

Kurz vor knapp stellte der Tierarzt die Diagnose:

Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI).

Diese Form der EPI beim Hund ist selten – aber nicht untherapierbar.

Die Bauchspeicheldrüse produziert dabei nicht ausreichend Verdauungsenzyme, insbesondere:

  • Amylase – für die Kohenhydratverdauung

  • Lipase – für die Fettverdacuung

  • Proteasen – für die Eiweißspaltung

Ohne diese Enzyme wird die Nahrung im Dünndarm nicht ausreichend aufgeschlossen.

Der Nahrungsbrei läuft im wahrsten Sinne des Wortes "durch".

Die Folgen sind typisch:

  • Voluminöser, oft heller Kot

  • Fetiger übelriechender Stuhl

  • Massive Gewichtsabnahme

  • Dauerhunger

  • Kaum Ausbildung von Unterhautfettgewebe

Insbesondere Fette werden kaum resorbiert.

EPI kann genetisch bedingt sein. Bei einigen Rassen tritt sie familiär gehäuft auf.

Möglicherweise waren beide Elterntiere Träger entsprechender Prädispositionen – sicher lässt sich das im Einzelfall selten sagen.

Aber in solchen Momenten geht es nicht um Ursachenforschung.

Es geht um Stabilisierung.

Enzyme, Futterlisten und unzählige Versuche

Seitdem bekommt Toni zu jeder Mahlzeit Pankreasenzyme beigemischt.

Und trotzdem bleibt sie ein schmaler Hund.

Man probiert wirklich alles.

  • Spezialdiäten

  • Hochverdauliches Alleinfuttermittel

  • Selbstgekochtes

  • Barfen

  • Hypoallergene Varianten

Es gab kleine Hoffnungen.

Manchmal minimale Verbesserungen.

Dann wieder Rückschritte.

Schließlich wurde klar:

Toni reagiert hochsensibel auf viele Nahrungsmittel – insbesondere auf fetthaltige Fleischsorten und nahezu alle Getreidearten.

Übrig blieb eine schlichte, funktionale Ration: Rindfleisch und Kartoffeln.

Zwei Mahlzeiten täglich, aber nicht zu spät – sonst stehen wir nachts wieder draußen.

Was man wirklich nicht erwartet

Man erwartet keine Futtertagebücher, keine Enzymgaben oder permanente Gewichtskontrolle.

Man erwartet tapsige Schritte.

Ein Fellknäuel zum Verlieben.

Unkomplizierte Welpenmonate.

Und doch gehöhte genau das für uns dazu.

Trotz allem ist Toni ein lebensfroher, quirliger, aufmerksamer Hund.

Bei ihr ist alles schnell – sie denkt schnell, lernt schnell, ist schnell neben dir.

Sie ist ein Hund mit körperlichem Handicap – und mit enormem Lebenswillen.

Warum es sich gelohnt hat

Drahthaarhündin auf der Treppe

Es gab Momente der Verzweiflung. Frustration. Ratlosigkeit.

Doch aufgeben war nie eine Option.

Ein Tier entscheidet sich nicht für eine Erkrankung.

Wir entscheiden uns für das Tier.

Und wenn ich heute sehe, wie Toni über die Wiese flitzt, voller Energie, voller Freude, ein schelmischer Blick – dann weiß ich:

Es hat sich gelohnt.

Jede schlaflose Nacht.

Jeder Futterversuch.

Jede Unsicherheit.

Manchmal sind es gerade die besonderen Hunde, die uns am meisten über Verantwortung, über Durchhaltevermögen lehren und über die Form von Liebe, die nicht laut ist, sondern beständig.

Aufmerksam bleiben, beobachten und nicht vorschnell handeln – das gilt für Hunde genauso wie für das Gewicht beim Pferd oder die Frage, wann eine Entwurmung bei Hühnern wirklich nötig ist.

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